Das blaue Kreuz

Für einen Moment war ich abgelenkt, schon rutschte ich aus, und ein stechender Schmerz durchfuhr mein linkes Knie.

Ich war zum Fischen an der Rur in der Eifel. Unter dem Busch am anderen Ufer war gerade ein vielversprechender Fisch gestiegen, den ich anwerfen wollte. Also watete ich vorsichtig, um den Fisch nur nicht zu vergraulen, im Fluss ein paar Schritte vorwärts, um so zu einer günstigen Wurfposition zu kommen. Da geschah es, dass ich auf einem dicken Stein ausrutschte. Ich missachtete zunächst den Schmerz, diesen Fisch wollte ich fangen. Nun, auch das gelang nicht. 

Zunächst waren die Beschwerden nicht allzu groß, und ich fischte weiter. Den schönen Angeltag wollte ich mir nicht verderben lassen.

Schon im Auto auf dem Heimweg wurden die Schmerzen ganz schön heftig. Sälbche und Tabletten halfen nicht. Nun, um es kurz zu machen, ein paar Wochen später lag ich auf dem schmalen OP-Tisch und der Anästhesist bemühte sich, zunächst vergeblich, mit der Nadel die Vene meines rechten Armes für die Vollnarkose zu erwischen.

Am Morgen hatte ich in Begleitung meiner Frau die Kölner Privatklink aufgesucht, um den Eingriff vornehmen zu lassen. Ich hatte Hoffnung geschöpft, die heutige OP könne doch nicht stattfinden, als sich das Tiefgaragentoor der Klinik nicht öffnen ließ. Vergelich! Nach der Operation am Meniskus sollte ich für eine Nacht in der Klinik bleiben. Ich bezog mein Krankenbett, hüllte mich in mein OP-Hemdchen, als die Schwester auch schon kam, um mich für den Eingriff abzuholen. Eine junge, hübsche Asiatin, die zu meiner Verwunderung einen dicken blauen Filzstift in der Hand hatte. In gebrochenen Deutsch erklärte sie mir, ich solle mit dem Stift ein dickes Krauz auf das zu operierende Bein machen. So geschehen!

Als ich wieder aufwachte und einigermaßen geradeaus kucken konnte, überzeugte ich mich, Gott sei Dank! Das angekreuzte Knie war operiert! Im Nachhinein preise ich die Vorsicht besagter Klinik! Daran habe ich mich erinnert, als ich in den letzten Tagen davon hörte, wie viele Kunstfehler jährlich in deutschen Krankenhäusern passieren. So kann man mit simpelsten Maßnahmen "Irrtümer" vermeiden.

Die Nacht nach der OP verbrachte ich in meinem Krankenhausbett mehr oder weniger gut. Am nächsten Morgen wurde ich dann auch entlassen und das im Eiltempa - auf Krücken und unter Schmerzen musste ich mein Zimmer räumen, um für eine Fernsehgröße Platz zu machen, die schon in Begleitung des Chefarzes die Räumlichkeiten besichtigte.

 

In Ermangelung medizinischer Fotos oben ein Bild vom Ort des Unfallgeschehens.