Beim Cerberus

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Die Aussage meiner Augenärztin war eindeutig. Zur Bestätigung ihrer Diagnose und zum Ausschluss anderer Dinge sollte ich zu einem Radiologen gehen, um ein MRT, Magnetresonanztomographie, machen zu lassen.

Wieder zu Hause rief ich gleich bei einem solchen nahegelegenen Institut an. Ich sagte, dass ich eine Überweisung für ein MRT hätte und dieses in der Praxis machen lassen wolle. Ja, das ginge aber erst im April. Diese Aussage verschlug mir erst einmal die Sprache! Als ich mich wieder gefasst hatte, sagte ich verschämt und kleinlaut, ich sei Privatpatient. " Ach, Sie wollen ein MRT machen lassen," kam die Antwort,"dann können Sie morgen um 14.30 UIhr kommen!"

In Begleitung meiner Gattin erschien ich dann auch gestern pünktlich in der im Erdgeschoss eines Geschäftshauses gelegenen Praxis.

Hinter dem Computer nahm ich dann bei der aufnehmenden jungen Dame Platz, um noch einen Fragebogen auszufüllen, dann sollten wir ein paar Stühle weiter warten. Es erschienen immer wieder neue Patienten, und es ließ sich nicht vermeiden, dass wir auch Teile deren Krankengeschichte mitbekamen. Ein Patient regte sich dann auch lautstark darüber auf, dass die Umgebung alle seine Krankheitsbilder mitbekäme. 

Zwischendurch liefen dann auch ein modisch gekleideter junger Herr und ein weissbekitteltes weibliches Wesen, zu dem auch eine andere Uniform gepasst hätte, durch den Warteraum. Dieses Wesen rief mich dann nach einiger Wartezeit auf, mit einer so sanften Stimme, die so gar nicht zu der Frau passen wollte. Nach nochmaligem Aufruf reagierte ich dann.

Man führte mich in einen Raum, und ich sollte in der Kabine alles Metallerne vom Kopf bzw. aus dem Kopf nehmen. Auch die Hose sollte ich ausziehen und statt dessen eine solche aus blaugrünem Papier anziehen. Dafür gab es sicher einen Grund! Ich nahm, wie geheißen, auf einer Pritsche vor der Kabine Platz. Bald darauf wurde mir auch die Sache mit der Papierhose klar, als aus einem Nebenraum eine junge Frau kam angetan mit ebensolcher Hose. Die Dame drückte sich schamhaft an mir vorbei, um in ihre Kabine zu gelangen.

Nun war ich an der Reihe. Ich legte mich auf den Behandlungstisch, die resolute Assistentin schubste und zupfte an mir herum, bis ich die ihrer Ansicht nach richtige Position erreicht hatte.

Für ein solches MRT wird man ja in eine Art Röhre gesteckt, das sah dann so aus, das etliche Teilstücke eines Aparates über mich gefahren wurden.

Dann aber ließ der Cerberus plötzlich vernehmen, ich solle wieder aufstehen und mich anziehen, ich sei für das Gerät zu breit! Sie könnten doch nicht jeden Patienten beim anmeldenden Telefonat nach seinem Gewicht fragen! Beinahe traf mich der Schlag, aber die Frau gab nicht nach. "Rufen Sie bei Ihrer Kasse an, die können Ihnen sicher eine Praxis sagen, die ein Gerät hat, in das sie hineinpassen! Ich mache uns an Ihnen doch dieses Gerät nicht kaputt!" Ich war so konsterniert, dass ich einfach liegenblieb und nach mehrmaligem Luftschöpfen sagte, das könne doch nicht wahr sein, sie solle sehen, wie sie zurecht käme! Und siehe da, es ging doch!

Es gab noch eine Infusion eines Kontrastmittels, dann ging es los. Den infernalischen Krach, der bei der Erzeugung des Magnetfeldes entsteht, überstand ich mit Hilfe zweier Ohrstöpsel, die ich dann mit nach Hause nehmen durfte. Ob ich auch die schöne Papierhose mitnehmen dürfte, wagte ich erst gar nicht zu fragen!

Nun musste ich warten! Es dauerte endlos lange, und ich mutete schon, was der diagnostizierende Arzt so alles entdecken würde!

Schließlich wurde ich zum Gespräch gebeten. Im Vorgeplänkel ging es darum, ob meine Frau dabeisein wolle, könne oder dürfe. Sie sollte! 

Der eben schon kurz beschriebene junge Mann, der Arzt, lehnte sich in seinem Chefsessel zurück, fragte mich noch einmal nach meinen Beschwerden und kam so allmählich zu dem Punkt, an dem es um die Wahrheit ging. " In Ihrem Kopf gibt es keine Auffälligkeiten, es ist alles in Ordnung!" So entließ er uns dann!