Gülle ohne Grenzen

Bild KstA 24.4.2014
Bild KstA 24.4.2014

 

Wer im ländlichen Raum wohnt, wird in letzter Zeit gewiss auch von einer übelriechenden Duftwolke heimgesucht worden sein, die durch das Ausbringen von Gülle auf die Felder hervorgerufen wird.

Heute titelt der Kölner Stadt-Anzeiger auf seiner Seite 3 als Thema des Tages „Gülle ohne Grenzen“. Beschrieben wird, dass aus den benachbarten Niederlanden derzeit eine Armada von Tanklastzügen die Grenze in Richtung NRW passiert, um hier bei den örtlichen Bauern ihre übelriechend Fracht abzuladen. 

Da holländische Bauern die bei der stark ausgeprägten Viehzucht anfallende Gülle nicht zur Gänze auf ihren Feldern ausbringen können, wird sie vor allem nach NRW exportiert. 

Natürlich gibt es Richtwerte über Export und Menge der Duftstoffe, die ausgebracht werden dürfen. Nur, nicht immer reicht die Kontrolle aus. 

Hier muss z. B. bei der Ausbreitung der Gülle ein Mindestabstand von drei Metern von einem Gewässer eingehalten werden. Nachweislich ist dies aber nicht immer der Fall!

Die Folge ist, Flüsse und sogar das Grundwasser sind mit einem hohen Nitratwert belastet. Strafen drohen den Bauern, die einen Grenzwert von 170 kg Stickstoff pro Hektar überschreiten. 

Nach Auskunft des Landwirtschaftsministeriums für NRW, so der KstA, sind bereits 32,4% der Landesfläche ob der Belastung durch die der Gülle eigenen Stoffe in keinem guten chemischen Zustand.

Ein weiteres Problem ist, dass mit der Gülle auch Antibiotika, die in der Tierhaltung eingesetzt worden sind, dem Boden zugeführt werden und somit wieder am Nahrungskreislauf teilnehmen. Sie haben dann Einfluss auf die Zusammensetzung der Bakterienflora der Böden.

Die Eu Kommission rügt Deutschland schon für die „schlechte Umsetzung der Wasserrahmenrichtline“. Hier liegt die BRD im Vergleich mit anderen Ländern gleichauf mit Malta, aber hinter Belgien, den Niederlanden und Dänemark. Die Kommission bereitet aktuell ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland vor.

Für viel Geld ist vor vielen Jahren das Projekt Lachs 2000 ins Leben gerufen worden, womit Wanderfischen wie Lachs und Meerforelle das Wieder-Heimisch-Werden in unseren Landen erlaubt werden soll. 

Die Überdüngung der Felder sorgt aber dafür, dass die Gewässer eutroph werden, ihr zu hoher Nitratgehalt sorgt für ungebremstes Algenwachstum und somit für eine Verschlammung der Kiesbereiche eines Flusses. Die hier abgelegten und befruchteten Fischeier ersticken, was ein natürliches Aufkommen der Fische verhindert. Dabei sind nicht nur Wanderfische betroffen, sondern auch die hier heimischen Bachforellen und Äschen.

 

Davon hört man wenig, selbst wenn sich Naturschützer äußern, denn für viele hört, leider, der Naturschutz unterhalb der Wasseroberfläche auf!

 

Das Bild oben zeigt den Flusslauf der Agger bei Wahlscheid.

Es herrscht Niedrigwasser. Deutlich kann man sehen, wie verschlammt das Kiesbett ist.