Pfingstbuben

Ich lebe noch nicht lange genug im Bergischen Land, um mit seinen Sitten und Gebräuchen vertraut zu sein.

Als ich gestern am späten Nachmittag aus dem Fenster schaute, bemerkte ich eine Gruppe älterer Herren. Einer von ihnen zog einen mit jungem Birkengrün geschmückten Bollerwagen hinter sich her. Merkwürdig!

Nachforschungen ergaben, dass sie einem alten Brauch folgten. Früher zogen allerdings die jungen Burschen eines Dorfes in Gruppen von Haus zu Haus und sangen ein Pfingstlied, ein Heischelied. Dabei erbaten sie frische Eier, Speck, Schnaps, Tabak oder Geld. Wurden sie mit Gaben bedacht, sangen sie: Me dunn uns och bedanke, on wolle uns nit mieh zanke. Gingen sie leer aus, hieß es: Dat Huus dat steht op Stippe, dä Deuvel sall et wippe. Am Abend des zweiten Pfingsttages trafen sich die Sänger wieder, um die zusammengebettelten Gaben zu verzehren.

Bei den Heischegängen kamen sich gelegentlich verschiedene Gruppen in die Quere. Bei der Verteidigung des beanspruchten Terrains soll es auch zu handgreiflichen Auseinandersetzungen gekommen sein, weshalb die Obrigkeit gelegentlich die Ausübung dieses Brauches verboten haben soll.

Heutzutage wird dieser Brauch gelegentlich noch von den örtlichen Männergesangsvereinen ausgeübt. Ob es dabei auch zu den oben geschilderten Tätlichleiten kommt, konnte ich nicht erfahren. Ich vermute einmal, dass man sich jetzt allein auf das Singen beschränkt!

Nachfolgend eine Strophe aus einem solchen Heischelied:

 

Schwatz Höhnche hätt en Ei jelaht,
hätt dat Sterzje kromm jemaht.

Raft ens en et Eierfaß,
de Fengere werden üch nit naß.

Jett uns och en Pingsei,
et sinn uns lever drei als zwei.

Joht ens op de Höhnerstall,
do lijen de Eier överall.

Loht üch doch erweiche,
jett uns all en Eiche.

 

Es soll noch vermerkt werden, dass es ähnliche Traditionen auch in anderen Teilen Deutschlands gibt.