Erry Stoklosa von den Bläck Fööss und die  Stammbaumdebatte

Für die Nicht-Kölner - Erry Stoklosa ist Mitglied der Kölner Mundartband Bläck Fööss. Vor Jahren haben die ein Lied herausgebracht, dessen Tenor etwa lautet - Köln ist ein großer Schmelztiegel, und viele Nationen leben hier friedlich zusammen - "Mir spreche hück all dieselbe Sproch".

Nun meint Stocklose in einem Facebook-Eintrag, dass er das nicht mehr so mit Überzeugung singen kann.

In Köln ist eine hitzige ( so der Kölner Stadtanzeiger ) Diskussion losgebrochen.

Klar, jeder hat ein Recht, auf freie Meinungsäußerung, auch der Erry, aber sein Beitrag war dumm und ungeschickt! Als Mitglied dieser bekannten Band muss er sich bewusst sein, dass er eigentlich immer in ihrem Namen redet! Eine Absprache mit den anderen Bandmitglieder wäre geschickt und angebracht gewesen!

 

Ich bin der Meinung, wie es auch im Lied heißt, dass die "Fremden" uns "Ureinwohnern" viel gegeben haben und in Zukunft auch geben werden! 

Wir lernen durch das Zusammenleben mit den Zuwanderern sehr viel über deren Kultur und das dortige politische Geschehen. Hätten die Regierenden dieser Welt viel früher gerade darüber Bescheid gewusst, ihr politisches Handel wäre vielleicht anders ausgefallen und viel Leid wäre den Menschen dort erspart geblieben!

Als Beispiel für Verständigung möchte ich eine persönliche Erfahrung schildern. 

Der DHL-Auslieferer in meinem früheren Wohnort ist Schwarzafrikaner, er stammt aus Eritrea. Wenn seine knappbemessene Zeit es zuließ, hielten wir ein Schwätzchen, und ich erfuhr sehr viel über sein Heimatland, über die Natur, die alte christliche Kultur, über das Leben dort überhaupt. Ich kann sagen, wir sind bei meinem Umzug beinahe als Freunde auseinandergegangen!

Die Begegnung mit diesem jungen Mann habe ich als große Bereicherung empfunden.

Die Erfahrung zeigt, wenn man den Menschen aus der Fremde kennenlernt, er als Individuum vor uns tritt, verschwinden Angst und Voreingenommenheit sehr bald! Nur Mut, liebe Mitbürger! Haben Sie ein Herz, überwinden Sie Vorurteile, denn es lohnt sich auch für uns!

 

Noch einmal möchte ich meinen Blogeintrag von vor ein paar Wochen in Erinnerung rufen, als ich den leider in Vergessenheit geratenen Monolog des General Harras aus Zuckmayers "Des Teufels General" zitiert habe.

 

Die Kelter Europas


Leider ist der Monolog des General Harras in Carl Zuckmayers Theaterstück Des Teufels General, das später mit Curt Jürgens verfilmt wurde, etwas in Vergessenheit geraten! 

Ein junger Leutnant beklagt sich bei Harras darüber, dass seine Verlobte die Beziehung beendet hätte, weil seine rheinische Großmutter irgendwie aus dem Ausland stamme und somit kein klarer Ariernachweis möglich sei.

 

Gerade in der heutigen Diskussion, bei der viele Deutsche eine Überfremdung fürchten, sind die Worte Zuckmayers unbedingt nachdenkenswert!

 

Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. – Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald, und – ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann – und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost

 

Quelle für Photo und Monolog - Wickipedia