Über das Alt-Werden

Verkehrsschild auf der schottischen Insel Skye
Verkehrsschild auf der schottischen Insel Skye

Wenn ich gelegentlich morgens nach dem Aufstehen in den Spiegel sehe, bin ich regelrecht erschrocken! Der alte Mann, dem ich da ins Gesicht schaue, kann unmöglich ich sein! Ich fühle mich erheblich jünger!

Wenn ich dann aber den ersten Gang durchs Haus mache, erinnern Rücken und Knie schmerzlich an mein tatsächliches Alter.

Dann teste ich mich darauf aus, ob etwa alterstypische Erscheinungen wie Starrsinn, Rechthaberei usw. schon vorhanden sind. Weder ich, noch meine Umgebung kommen aber zu dieser Feststellung. Wobei ich hoffe, dass Familie und Freunde ehrlich sind! Eine leichte Vergesslichkeit billigt man mir zu, wobei auch jüngere Leute dann gerne behaupten, so etwas hätten sie auch schon.

Allerdings muss ich an mir eine Eigenschaft feststellen, die ich mit Altersmilde bezeichnen möchte. Kleine Fehler, Versäumnisse oder Unartigkeit anderer nehme ich mit Gelassenheit. Davon profitiert in erster Linie meine kleine vierjährige Enkelin. Ich glaube, sie weiß das zu schätzen!

Aber - ich bin mir bewusst, die längste Zeit meines Lebens ist vorbei. Ich ziehe ein Resümee und muss einsehen, dass ich doch eine ganze Menge erlebt habe. So scheint manche Erinnerung schon beinahe die eines anderen Menschen zu sein.

Ich höre oft meine Eltern sagen - "Alles ging wie im Fluge vorbei! Das Leben ist so kurz!"

Ich frage mich auch, wie ich von meinen Mitmenschen wahrgenommen werde. Bekannte gleichen Alters meinen oft von jungen Menschen nicht mehr für ganz voll genommen zu werden. Das habe ich noch nicht erlebt. Das würde mich treffen!

Gehört es sich nicht für einen "älteren Herren" wie mich, dass er gelegentlich einer hübschen jüngeren oder älteren Frau nachschaut? Ist man dann gleich der "lüsterne Greis"?

Ich meine, Dinge im gesellschaftlichen Zusammenleben klarer und treffsicherer einschätzen zu können, zu sagen, was richtig ist oder falsch. Nachfolgendes Geschehen gibt mir oft Recht.

Ihr merkt, liebe Leser, ich kann mich noch nicht so recht einordnen.

Aber, wie sagte eine weitläufige westfälische Verwandte meiner Frau anläßlich einer Beerdigung über ihre noch lebende Mutter - "Hannchen, sie kann kaum noch laufen! Aber der Cheist!"