"Wir feiern ein Gefühl"

Der junge Mann, der auf einem Hamburger Weihnachtsmarkt gefragt wurde, was wir zu Weihnachten eigentlich feiern, traf wohl ungewollt mit seiner Antwort den Nagel auf den Kopf.

Es ist unbegreiflich, aber viele unserer Mitmenschen wissen nicht mehr, warum wir dieses Fest begehen!

Viele haben noch eine blasse Ahnung, da war doch was mit einer Höhle, zu der Hirten kamen, oder man kennt noch die eine oder die andere der handelnden Personen - Maria und Josef, "der Josef, der war doch das Kind".

Eine mittelalte Frau verwechselte wohl die Feste, als sie meinte, irgendwie ginge es da um ein Ei. 

Dem beschaulich kitschigen Weihnachtsgefühl unterliegen selbst unsere islamischen Mitbürger. Bei einer uns bekannten türkischen Familie brennt schon seit Tagen der künstliche Weihnachtsbaum, die Kinder können es nicht abwarten, die sehnlichst gewünschten Geschenke am Heiligen Abend auszupacken.

Überall herrscht Kaufrausch. Ohne das Weihnachtsgeschäft können viele Einzelhändler gar nicht mehr existieren.

Und wo bleibt der "Frieden auf Erden"? Ist Weihnachten nur noch Gefühlsduselei?

Auf den Straßen herrscht hingegen Aggressivität. Gestern noch habe ich zwei halbstündige Autobahnfahrten so gerade überlebt! Es gab zwei Situationen, in denen ich nur durch beherztes Eingreifen Schlimmeres verhindern konnte. 

Wie können wir unbeschwert Weihnachten feiern, wenn gar nicht weit von uns unschuldige Menschen stündlich um ihr Leben bangen müssen und ihr Hab und Gut im Bombenhagel verlieren? 

All zu sehr haben wir uns and die Bilder vom Kriegshandlungen gewöhnt. Wir sind abgestumpft! 

Unsere Gesellschaft sollte so ehrlich sein, kirchliche Feste wie Weihnachten vom religiösen Hintergrund zu trennen! Um Geschäftsleuten und Weihnachtsmarktfans das Ihre zu geben, sollte es ein "Fest der Geschenke" geben.

Wer ein besinnliches Weihnachtsfest feiern möchte, könnte das, den Kern dieses Festes bedenkend, in Ruhe erleben.