Unbeholfener Fernsehjournalismus


Die Berichterstattung von ARD und ZDF über das Attentat auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche war bisher von einer gewissen Sensationshascherei geprägt. Pausenlos wurde an den Tatort geschaltet, die Meinung des zigsten Experten eingeholt, unüberlegte Fragen an Verantwortliche gestellt, noch ein besorgter Bürger interviewt,usw..

Gewiss, es gibt das Bedürfnis der Zuschauer nach Informationen. Die werden aber nicht mehr und genauer durch pausenloses Wiederholen derselben Sachverhalte! Zu viel und zu lange wurde darüber gesprochen, dass man eigentlich gar nichts weiß.

Zeigte die ARD sogar das Handy-Video eines Weihnachtsmarktbesuchers mit Szenen des Tathergangs, wo doch die Berliner Polizei darum gebeten hatte, so etwas nicht ins Netz zu stellen.

Auch so stachelt man Unsicherheit und Ängste bei den Bürger an. 

Unerhört fand ich die Aussage von Frau Schausten im Gespräch mit dem Bundes-Innenminister, bei der Festnahme des ersten Verdächtigen habe es sich um eine Panne gehandelt. Auch in diesem Gespräch, Teilnehmer war auch Herr Frey, erwarteten die Interviewer allen Ernstes so etwas wie endgültige Antworten einen Tag nach dem schrecklichen Geschehen. Von so ranghohen Mitarbeitern der Fernsehanstalten hätte ich mehr Kenntnis und Einfühlungsvermögen erwartet. Ist das der neue Stil im Journalismus, wenn man solche aggressiven und unüberlegten Fragen stellt, von denen doch jeder genau weiss, dass der Gesprächspartner sie kaum beantworten kann?

Vorbildlich war die Reaktion des Ministers, den ich ansonsten nicht besonders schätze, als er darauf hinwies, dass es doch angezeigt sei, erst einmal der Trauer Platz zu geben und die zuständigen Behörden ihre Arbeit machen zu lassen.