Vorbilder

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Eine Runde jüngerer ZEIT-Redakteure hat sich zusammengetan und erörtert, wer heutzutage ein Vorbild sein kann und ob solche Vorbilder überhaupt noch notwendig sind.

In der jüngsten Ausgabe dieser Wochenzeitung wird dieses Thema in allen Sparten erörtert. Zudem werden die Leser aufgefordert, ihre Meinung dazu kundzutun. 

Mit bald 73 Jahren könnte es sich für mich erübrigen, darüber noch nachzudenken. Das wäre schade, denn heute habe ich ein Vorbild. Es ist Papst Franziskus.

Obwohl ich evangelischen Glaubens bin, durchaus überzeugt, halte ich diesen Menschen für überaus vorbildlich. Ich glaube, nur sehr wenige Personen können ermessen, was es heißt, der katholischen Kirche und vor allem dem klerikalen Geflecht der Kurie vorzustehen und gelegentlich die Stirn zu bieten.

Mutig wendet er sich gegen all die Auswüchse, Intrigen und Unrechtmäßigkeiten im Bereich der Kirche, vorsichtig einem fortschrittlichen Denken in der Hierarchie der Kirche die Bahn ebnend.

Dabei scheut er sich auch nicht, hochrangigen konservativen Kritikern, wie etwa dem ehemaligen Kölner Kardinal Meissner, den Mund zu stopfen. Recht mutig! Denn man munkelt, dass sich schon die kirchliche Behörde für den rechten Glauben, ehemals Inquisition, über das Wirken dieses Papstes Gedanken macht.

Ich finde es bewundernswert, wie dieser Papst sich für die Armen dieser Welt einsetzt, wie er immer wieder auf das riesengroße Flüchtlingsproblem hinweist und die Mächtigen dieser Welt zum Friedenhalten aufruft! 

Dabei geht er mit gutem Vorbild voran, er empfängt Obdachlose. Für sie hat er unmittelbar am Vatikan Räume bereitgestellt, wo sie sich duschen und aufhalten können. Er vertreibt sie nicht aus den Kolonnaden des Petersplatzes, wo sie nachts schlafen können. Immerhin sind sie dort sicher wie sonst nirgends, denn dieser Platz steht unter ständigem Polizeischutz.

Er hat dem vormals üblichen Pomp des Vatikans abgeschworen, keine roten Schuhe mehr, wenn er in Rom unterwegs ist, dann im Kleinwagen. Als jüngst seine Brillengläser nichts mehr taugten, fuhr er bei einem römischen Optiker vor und ließ sich neue Gläser verpassen, auf ein anderes Gestell verzichtete er, das alte tue es noch.

Von all dem macht er kein Aufhebens.

Ja, es gibt noch Menschen, die man sich zum Vorbild nehmen kann, die sich wohltuend von den rücksichtslosen, macht- wie geldgierigen Staatsführern, Wirtschaftsbossen, Schauspielern und Fußballstars abheben.