Lesung

Vorgestern habe ich zum ersten Mal an einer Literaturlesung teilgenommen. Eine Dame und ein Herr, ich nehme an, es waren Schauspieler, teilten sich den Part des Vorlesens.

Es war ein Vergnügen, ihnen zuzuhören. Ihre melodiösen, akzentuierten Stimmen bemühten sich  schon den Sinn des literarischen Textes offenzulegen.

Im Verlauf des Abends fiel mir auf, dass ein großer Unterschied darin besteht, wie man einen Text aufnimmt. Offensichtlich macht das Gehirn einen Unterschied, ob man ihn selber liest oder akustisch, von einem andere gesprochen, wahrnimmt. Um zu verstehen, ist es bei der Eigenlektüre möglich, das Lesetempo selbst zu bestimmen oder gerade nicht Verstandenes noch einmal zu lesen. Bei einer Lesung hastet man dem Verstehen geradezu hinterher, der Vortragende macht keine dem jeweiligen Zuhörer genehme Pausen.

Zahlreiche Teilnehmer des Abends machten eine ähnliche Erfahrung, auch sie hatten gelegentlich Mühe dem Sinn des Gesprochenen auf die Spur zu kommen.

Abgelenkt wurde ich zudem durch das Betrachten meiner Mithörer. Von den mehr als 30 Teilnehmern  waren nur fünf Männer. Ein zufälliger Befund? Wohl kaum. Der Rezitator jedenfalls war mit der Männerquote sogar zufrieden! Sind etwa Frauen offener für Literarisches? Ich glaube eher, dass die anwesenden Damen die Lesung in einem Buchladen als gesellschaftliches Ereignis betrachteten, um neben dem literarischen Erlebnis zu sehen und gesehen zu werden! Man begegnete sich von Kopf bis Fuß gut gestylt.

Ich fing Gesprächsfetzen auf wie - "Ja, natürlich, wir kennen uns! Sonst erlebe ich Sie ja nur im Tennis-Dress!" 

Der Abend hat Spaß gemacht!