Totenehrung

Photo SWR

Was für ein unwürdiges Schauspiel boten Staatsakt, Autokorso, Schiffsreise und Totenmesse! 

Selbst über den Tod hinaus konnte die Witwe der Familie Kohls nicht die Hand reichen. Wie groß muss der Hass sein, dass die Söhne und Enkel nicht das Recht wahrnehmen konnte, Vater und Großvater in seinen letzten Stunden zu begleiten, dass es wohl für beide Parteien unmöglich war, den Toten wenigstens in Feierstunden gemeinsam zu ehren. Ich frage mich, ob Kohl geistig schon so weit weg war, dass er sich dem Willen seiner zweiten Frau beugen musste oder ob er alles selbst so verfügt hat. Auch das wäre unverzeihlich und menschlich abscheulich!

Die trauernde Witwe wirkte während der Feierlichkeiten kalt. Hinter breitkrempigem Hut und dunkler Sonnenbrille war sie kaum vorhanden. Nur mit Clinton stand sie am Sarg ihres Mannes, eine Szene, die Kai Diekmann mit einem Handy-Photo auch noch dokumentieren musste. 

Wahrlich, kein christliches Verhalten seitens der Witwe und ihres Umfeldes, wenn man dem Geschehen auch noch durch eine Totenmesse im Speyrer Dom einen kirchlichen Anstrich geben wollte. Bezeichnend ist, dass vor dem Sarg nur der Kranz der Witwe  stehen durfte, alle anderen Kränze mussten draußen bleiben.

Für meinen Geschmack beinhaltete das Schauspiel des Kohlgedenkens etwa zu viel Heldenverehrung! Ein Staatsakt im Bundestag und eine Totenmesse in der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale unter Teilnahme der Witwe, der Söhne und Enkel, aller Angehörigen, wären angemessen gewesen! Der Bundespräsident hätte diesen Staatsakt anordnen sollen. Jeder hätte für sich dann entscheiden können, ob er daran teilnimmt. 

Der Altkanzler hätte in Ruhe und Frieden gehen können, aber so wurden alle seine Fehler und Unzulänglichkeiten noch einmal vorgeführt. Kohl und seine zweite Frau haben sich mit diesem Abschied keinen Gefallen getan!

Und - die Absicht, ein Zeremoniell zu inszenieren, das dem damaligen für Konrad Adenauer bereiteten gleichkommen sollte, ist kläglich gescheitert!

 


Kommentar schreiben

Kommentare: 0