Nicht der Teufel


links der Moses in Thurnau, rechts Michelangelos Moses in Rom


Vielleicht hat sich schon mal jemand darüber gewundert, dass Moses in kirchlichen Darstellungen oft mit Hörnern versehen dargestellt wird. So ging es auch mir, als ich letzthin in der Kirche St. Laurentius in Thurnau/Oberfranken die den Schalldeckel der Kanzel tragende Figur des Moses sah.

Meine Nachforschungen dazu ergaben - 

die Darstellung des Moses mit zwei Hörnern beruht schlichtweg auf einem Übersetzungsfehler! Seit dem 8. Jahrhundert war die lateinische Bibelübersetzung, die Vulgate, gebräuchlich. Im Buch Exodus (Kapitel 34, Vers 29) wurde der ursprüngliche biblische Text so übersetzt, dass Moses, als er vom Berg Sinai herabstieg, Hörner getragen habe. Das hebräische Wort "Keren" wurde fälschlicherweise mit Cornu, dem lateinischen Wort für Horn übersetzt. "Keren" heißt aber im Hebräischen Strahl. Moses` Haupt müsste folglich einen Strahlenkranz tragen.

Die berühmteste Darstellung eines gehörnten Moses findet man in der römischen Kirche San Pietro in Vincoli. Für das Grabmal des Papstes Julius II. hat dort Michelangelo einen Moses in weißem Marmor mit Hörnern dargestellt.


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