Waren Sie heute Morgen in der Kirche?

Ich fass mir an den Kopf! Was sollte so eine dämliche Frage? Dass beide Kandidaten brav darauf antworteten, ist mir unverständlich. Aber, man spürte, bloß keinen Fehler machen, war die Devise.

Dieses Wahlkampfduell ging gründlich in die Hose und daran waren in erster Linie die vier Moderatoren Schuld. Unbeholfen, auf eigene Geltung aus, taten sie nichts, damit der Abend für den Zuschauer informativ verlief. Ihre Fragestellung war teils anmaßend und arrogant. Wenn es bei den Kandidaten einmal zu Rede und Gegenrede kam, unterbanden sie schnell die Debatte. Auch dafür waren sie verantwortlich, dass wesentliche Themenbereiche nicht angesprochen wurden.

Diese Art des Wahlkampfes nimmt immer mehr amerikanische Züge an, im Vordergrund steht die publikumswirksame Show zweier Kandidaten. Warum waren nicht die Vertreter aller wichtigen Parteien dabei? Im Für- und Widerstreit aller Meinungen wäre mehr für den Wähler herausgekommen. 

Das Erbsenzählen nach der Debatte in allen möglichen und unmöglichen Runden ist wenig aussagekräftig, denn die Leute glauben doch, dass der die Nase vorne hatte, von dem sie möchten, dass er gewinnt! Merkelleute sahen die Kanzlerin vorne, SPD-Anhänger Martin Schulz. Journalistisch nicht sauber war, dass das ZDF, kaum war das letzte Wort der Debatte gesprochen, einen Sieger proklamierte - auf der Grundlage von 800 Stimmen, abgegeben nach der Hälfte der Sendung!

Der Abend war sinnlos und nur Bühne für Selbstdarsteller einer riesen Party, z.B.  für einen Karl Theodor von und zu Guttenberg.