14. Krummhörner Orgelfrühling 2015

Im Feuilleton-Teil der Wochenzeitschrift  Die Zeit war mir vor einigen Monaten ein kleiner Artikel aufgefallen, in dem es um den Krumhörner Orgel-Frühling ging. Krummhörn nennt sich ein Zusammenschluss einiger kleiner Gemeinden im nördlichen Ostfriesland um den Fischerort Greetsiel herum.

Seit einigen Jahren veranstaltet der Synodalverband Nördliches Ostfriesland der Evangelisch-Reformierten Kirche jedes Jahr im Frühling eine Woche mit Orgelkonzerten. Veranstaltungsorte waren in diesem Jahr die Orte Emden, Rysum, Westerhusen, Cirkwehrum, Groothusen, Uttum, Manslagt, Jennelt und Eilsum. Bis auf Emden sind das Orte, die nur wenige kennen.

Alle diese Dörfer haben sehr alte Kirche meist aus de 15. bis 17. Jahrhunder, die auf einer Warft liegen, um sie vor einem Hochwasser zu schützen. Was den Bau der Kirchen betrifft, so hat sich an ihrer Gestalt recht wenig geändert. Der Grund dafür liegt wohl darin, dass die meist nur enige hundert Seelen zählenden Gemeinden wenig Geld für Umbauten hatten.

So blieben, mangels hinreichender Finanzen auch für neue Instrumente, die alten Orgeln erhalten. Oft sind es unbekannte Meister, die diese Orgel geschaffen habe, so in Uttum und Rysum.

Aber auch Werke uns bekannter, namhafter Orgelbauer blieben erhalten wie die in Groothusen ( J. F. Wenhin ), Jennelt  ( J. F. Constabel ) oder in Westerhusen die Orgel von J. Sieburg. Natürlich bedürfen diese Orgeln ständiger Wartung und Pflege, was die kleinen Gemeinden meist in finanzieller Hinsicht überfordert.

Aber der Klang dieser Instrumente ist einmalig schön und wird von Organisten weltweit gelobt. So kommt es, dass renomierte Musiker mit großer Freude nach Ostfriesland kommen, um diese Instrumente zu spielen.

Vor mehr als 30 Jahren haben meine Frau und ich in den Herbstferien regelmäßig in Ostfriesland  Urlaub gemacht, was damals noch ungewöhnlich war, denn kaum jemand kam damals zu dieser rauen Jahreszeit an die Küste. Dann hatten wir andere Ziele entdeckt, jetzt aber war diese Veranstaltung für uns Anlass einmal nachzuschauen, wie es in Ostfriesland heuzutage aussieht. Gewohnt haben diesmal in Greetsiel, dem allbekanten Fischerort. Schon im Juni war die Zahl der Touristen groß.

Zwei Konzerte der Orgelwoche haben wir besucht in Uttum und in Groothusen.

In Uttum spielte Lorenzo Ghielm die Orgel, ein renomierter Musiker, der sich gerade der alten Musik verschrieben hat. Er begeisterte das Publikum berühmter Festivals in Europa, Asiens, der USA und Lateinamerikas.

In Uttum kamen Werke wohl nur der Fachwelt bekannter Meister des 15. bis 17. Jahrhunderts zur Aufführung. Aber welch einen verzaubernden Klang entfesselte der Meister der Orgel! Orgelmusik, wie ich sie noch nie gehört hatte - schillernd bunt, warm und heiter.

Unser zweites Konzert fand in Groothusen statt. Hier spielte Matteo Imbruno, ein gebürtiger Piemonteser, der jetzt Organist an der Oude Kerk in Amsterdam ist. Auch Imbruno ist ein Organist, der überall in der ganzen Welt sein Können zeigt. Er ist Lehrer an zahlreichen Universitäten in der ganzen Welt, zudem ist er oft als Juror bei Wettbewerben tätig.

Für uns unvergesslich war besonders das letzte Stück seines Konzertes "Dalla Symphonies" von Marin Marais, transskribiert von Henk Verhoef. Höfisch tänzerische Musik in schillernder Farbigkeit auf der Orgel, unterstützt von Handtrommel und Schelle, durch Imbruno intoniert.

Es war ein besonderes Erlebnis, diese Orgelkonzerte in einer beinahe familiären Atmosphäre den kleinen Kirchenräumen zu erleben.

 

Der Hafen von Neuharlingersiel
Der Hafen von Neuharlingersiel

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1 - Die Doppelwindmühlen von Greetsiel

2 - Die Kirche von Groothusen

3 - Programm Konzert Groothusen

4 - Die Orgel von Groothusen

5 - Siek Postma, der Leiter des Krummhörner Orgelfrühlngs dankt Matteo Impruno für das überaus gelungene Konzert

6 - Die Kirche von Rysum

7 - Lorenzo Ghielmi

8 - Programm des Konzertes in Uttum

9 - Die Orgel der Kirche in Rysum