Das Digitalisieren von Negativen

Wie der geneigte Leser vielleicht weiß, bin ich seit einiger Zeit wieder dem Photographieren auf Film verfallen. Um die Vorzüge des Mittelformats kennenzulernen, habe ich die russische Hasselblad-Kopie Kiev 88 im Netz ersteigert. Näheres dazu - siehe unten! 

Die Filmentwicklung im Fachlabor ist eine recht teure Angelegenheit, darum habe ich mir einen JOBO-Entwicklungstank samt Zubehör zugelegt. Mein Tank aus alten Zeiten war dem letzten Umzug zum Opfer gefallen. Nun, das Filmentwickeln habe ich nicht verlernt, aber ein aufwendiges Photolabor zum Erstellen von Papierabzügen sollte es nicht sein, also ging ich auf die Suche nach einem passenden Scanner, der meine neuen 6X6 Negative verarbeiten sollte. Die gewonnene Erkenntnis - um einigermaßen passable Scanergebnisse zu erhalten, muss man schon etliche hundert Euroscheine  hinlegen. Da ich nicht weiß, ob meine Filmliebe von Dauer ist, die alte russische Dame macht gelegentlich Zicken, sah ich mich nach einer preisgünstigeren Lösung um. Im Netz stieß ich dabei auf die Seite von Chris Marquardt und auf seinem Blog Soapbox. Darauf präsentiert er eine preisgünstiges Reprostativ. Einer von Marquardts Workshop-Teilnehmer hat ein solches Stativ aus Aluprofilen gebaut und der metallverarbeitenden Firma ..... zum Nachbau empfohlen.

Dort kann man den Bausatz zum Preis von 39,00 Euro erwerben. Der Aufbau ist denkbar einfach. Allerdings muss man sich noch eine passende Schnellwechselplatte zur Befestigung der Kamera am Profil zulegen. Mit ca. 15 Euro auch nicht allzu teuer. Insgesamt liegt man preismäßig also bei ca. 45 Euro. 

Als Kamera verwende ich meine alte Canon 7D mit dem recht guten Sigma 105mm Macroobjektiv.

Das abzuphotographierende Negativ muß von unten möglichst gleichmäßig durchleuchtet werden. Dazu verwende ich einen kleinen Lichttisch, wie er mir früher beim Diasortieren hilfreich war. Aus fester Pappe und schwarzem Klebeband bastelte ich eine Maske für das 6X6 Negativ. Wenn sich diese Bastel-Lösung auf die Dauer als nicht tauglich erweist, werde ich auf das von einem Kickstarter entwickelte praktisch aussehende Gerät zurückgreifen.

Wenn die beschriebene Konstruktion nun auf einem Tisch steht, ist es nicht gerade leicht, durch Sucher oder Display der Kamera die Schärfe zu bestimmen, es sei denn, man ist ein Riese. Was war zu tun?

Um durchgehend scharfe Bilder in der Macro-Photographie zu erhalten, habe ich mir vor Zeiten die beiden Programme HeliconRemote und HeliconFocos angeschafft. Mit ersterem kann man unterschiedlich viele Bilder unterschiedlicher Schärfe machen, die dann in HeliconFocus zu einem durchgehend scharfen Einzelbild gerendert werden. Dabei ist die Kamera mit dem Computer verbunden, jeder Arbeitsfortschritt ist also auf dem Bildschirm zu sehen. Minimum bei der Anzahl der zu machenden Bilder ist zwei. Ein Photo wäre also minimal unscharf. Das ist wenig zweckdienlich, als nutzte ich eine weitere Möglichkeit von HeliconRemote. Man kann auch zwei Bilder mit unterschiedlicher Belichtung machen. 1/3 Blendenöffnung mehr oder weniger beim Rendern ist für das angestrebte Bildergebnis zu vernachlässigen. Das so Beschriebene ist für mich eine nahezu perfekte Möglichkeit, Negative zu digitalisieren. Mit den Bildergebnissen bin ich recht zufrieden! Nebenstehend ein Schwarz-Weiß-Photo, das in Photoshop mit den Befehlen Bild - Anpassen - Umkehren zu einem Positiv wurde. Das Photo ist nicht anderweitig bearbeitet worden! Es ist übrigens mein erstes Bild, das, wie beschrieben, entstanden ist.

Mein Sohn machte mich jüngst darauf aufmerksam, dass die Steuerung der Kamera über einen PC  natürlich auch mit der Tathering-Methode (z.B. Canon Utilities) funktioniert. Bequemer und übersichtlicher ist für meinen Gebrauch aber die oben beschriebene über HeliconRemote und HeliconFocus.