ÜBERRASCHUNG IN KAYSERI

 

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Kayseri - von der Existenz dieser Millionenstadt in Zentral - Anatolien wusste ich bisher nichts. Mitten in der beinahe menschenleeren Steppe Anatoliens erstreckt sich diese Stadt mit ihren ansprechenden Hochhaussiedlungen am Rande. Eine moderne Infrastruktur in Gestalt großzügiger Straßen, grünumrandeter Schienenwege und eines Flughafens zeichnet sie aus.Kayseri ist ein Beispiel für die aufstrebende Türkei, die mit Stolz auf ein großes Wirtschaftswachstum verweist.
In ihrem Zentrum jedoch ist sie dem Alten, der Tradition, verhaftet. In der Zitadelle und um diese herum erstreckt sich ein großer zum Teil überdachter Basar.
Jeder Straßenzug macht ein anderes Angebot. Schuhe, Kleidung, Schmuck, Teppiche, Lebensmittel, alles kann man hier erwerben.
Zwischen den Kaufinteressenten schwirren flinke Teeverkäufer mit ihren Tabletts voller dampfenden Tees herum. Garküchen stillen mit kleinen Gerichten den Hunger der Händler und Käufer. Man ist im Orient. Ein Basar ganz ohne den oft so abschreckenden Touristenrummel! Wohltuend!


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Uhrenturm und Reiterdenkmal Attatürks

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Auch wir wollten von den übrig gebliebenen Türkischen Lira etwas kaufen. Es war einiges an Geld übrig geblieben , da die Händler in Kappadokien, das wir zuvor besucht hatten, gerne auch Euros genommen hatten. So blieben wir an Ständen stehen und berieten uns.Dabei sprach uns plötzlich jemand in breitestem Schwäbisch an. Als wir uns umdrehten, staunten wir nicht schlecht, als wir in ein eindeutig türkisches Gesicht schauten. Der Mann erzählte uns, auch er sei im Moment hier im Urlaub, er arbeite seit 39 Jahren in Stuttgart und, er sei halb a Schwaab!

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Ein paar Stände weiter hörten wir, wie eine junge
türkische Frau ihrer kleinen Tochter zurief:“ Schau mal, da sind Leute aus Deutschland!“
An einem anderen Stand mit Lederarbeiten hatte ich ein schönes und passendes Lederetui für mein Taschenmesser gesehen so, wie ich es immer schon gesucht hatte. Mit Händen und Füßen gestikulierend versuchten wir, uns mit dem Händler über den Preis zu einigen. Da kam aus dem Hintergrund eine Stimme in etwas gebrochenem Deutsch:“ Das können Sie ruhig kaufen. Der Preis geht auch in Ordnung!“
Die Frau, ganz Türkin nach unseren Vorstellungen - Kopftuch und langer grauer Mantel - verwickelte uns sogleich in ein Gespräch, erklärte uns, dass sie 36 Jahre lang in Gelsenkirchen gelebt hätte und lud uns spontan zu sich nach Hause ein. Leider konnten wir das Angebot nicht annehmen, da die Mitreisenden bereits auf uns warteten.
Wir zahlten für das Etui und wollten gerade
gehen, da tippte mir jemand von hinten auf die Schulter und fragte, ob es möglich sei, dass ich in seinem Laden einen Rucksack vergessen hätte. 
Mein Gott! Ich fuhr zusammen, meinen Photorucksack mit der gesamten teuren Ausrüstung hatte ich tatsächlich nicht auf dem Rücken. Eilends begleiteten wir den Mann in seinen Laden. Tatsächlich, da lag mein Rucksack mit den Photosachen! Ich bedankte mich überschwänglich voller Glück, so wieder in den Besitz meiner geliebten Photosachen gekommen zu sein.
Wie war es so weit gekommen? Vor einiger Zeit hatte uns besagter Mann an der Bushaltestelle vor der Zitadelle angesprochen. Er freue sich, sagte er in gutem Deutsch, Deutsche zu treffen. Wir kamen ins Gespräch, und er fragte, ob er uns den Basar zeigen dürfe. Der Mensch sah vertrauenswürdig aus und so folgten wir ihm. Tatsächlich führte er uns in Viertel, die wir sonst niemals gesehen hätten. Aber natürlich, der Leser vermutet ganz richtig, landeten wir in seinem etwas abgelegenen Teppichladen.

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Hannegret mit dem ehrlichen Finder

Er zeigte uns seine schönsten Stücke, aber wir bedauerten mangels türkischen Geldes und Platz im Koffer, nichts kaufen zu können. Er war nicht böse, kein Geschäft gemacht zu haben und plaudernd tranken wir den angebotenen Tee aus, bevor wir uns, leider, wie bekannt, ohne den Rucksack, auf den Weg zum Treffpunkt der Reisegruppe machten. Der Fortgang der Geschichte ist bekannt.Herzlichkeit, Ehrlichkeit, Freundlichkeit und die guten Erinnerungen der Menschen an ihr Gastland Deutschland machten uns mit Blick auf die derzeitige Migranten - Diskussion recht betroffen.
Freilich, auch das ist die Türkei. Bei der zweimaligen (!) Sicherheitskontrolle am Flughafen von Kayseri einen Tag später gab es wenig freundliche Beamte. Recht rüde wurden wir von dem kontrollierenden Personal behandelt. „Voran, voran!“, hieß es mit eindeutiger Gestik. Das alles vor einem Spalier grimmig dreinschauender, bewaffneter Polizisten. Wir konnten uns gut vorstellen, dass es wenig erfreulich gewesen wäre, aus welchem Grund auch immer, mit diesen Herren näheren Kontakt zu haben.
Auf dem Basar in Kayseri
Auf dem Basar in Kayseri