CHRISTINA

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Begonnen hat eigentlich alles damit, dass mein Sohn Johannes und ich im Herbst 2007 beschlossen, am Rutenbauertreffen in Waischenfeld an der schönen Wiesent teilzunehmen. Dort wurden wir freundlich aufgenommen, obwohl wir gar nicht zu dem erlauchten Kreis der Gespliesstenbauer gehörten. Die beiden Tage waren ausgefüllt mit sehr interessanten Vorträgen und freundschaftlichen Gesprächen mit alten und neuen Bekannten. Für alle Teilnehmer gab es eine Tombola mit ausgezeichneten Preisen. Johannes und ich kauften auch einige Lose. Am Sonntag nach einem Spaziergang und kurz vor unserer Abreise erinnerten wir uns an die Tombola.

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Die Gewinner waren bereits gezogen. Als Glücksengel hatte Rolf Baginsky`s Lebensgefährtin fungiert. Ich zeigte meine Lose vor. Die ersten drei waren bereits Gewinne - Dosen gefüllt mit Fliegen. „Na“, sagte ich,“ jetzt kommt aber eine Niete!“ „Oh nein“, meinte die nette Dame,“das ist der Hauptgewinn!“. Ich konnte es gar nicht fassen, dass ich einmal etwas gewonnen hatte! Vor lauter Glück umarmte ich die verdutzte Glücksfee, die mir sogleich schilderte, was für einen tollen Preis ich da gewonnen hatte. Ein langes Wochenende für zwei Personen im 4 Sterne Hotel Jesacher Hof in Osttirol. Das beigefügte Prospekt verriet schon einiges über die Klasse des Hauses, und Gewässer zum Fliegenfischen sei reichlich vorhanden.
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Daheim beschlossen meine Frau Hannegret und ich, aus dem verlängerten Wochenende eine ganze Woche zu machen. Damit die Fahrt nach Osttirol nicht zu lang wurde, machten wir in Waischenfeld für acht Tage Station. Wie jedes Jahr gingen wir lieb gewordene Wege, trafen Bekannte oder bummelten durch die nahe gelegenen Städtchen. Auch die Fischerei war nicht schlecht. 
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Dann brachen wir nach Osttirol auf, leider zu einer Zeit, da die Schulferien begannen. Ent sprechend voll waren auch die Autobahnen. Wir verließen diese und beauftragten unser Navi, den kürzesten Weg nach St. Jakob im Defereggental zu suchen. Das war ein Fehler! So aber lernten wir die Schönheit des Allgäus kennen. Es ging über stille Waldwege und manchmal sogar mitten durch stattliche bäuerliche Anwesen. Schließlich erreichten wir am späten Nachmittag doch noch unser Ziel - das Hotel Jesacher Hof. Freund Wolfhard, der auch schon einmal Gast in diesem Hotel gewesen war und der mir ebenfalls die Vorzüge des Hauses gepriesen hatte, schärfte mir ein, dem älteren Herren, der mir nach der Ankunft beim Tragen der Koffer behilflich sein würde, auf keinen Fall ein Trinkgeld in die Hand zu drücken, das sei nämlich der Chef persönlich. 
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So geschah es dann auch. Der ältere Herr half uns, und wir erwiesen dem Chef die nötige Ehre und gaben ihm kein Trinkgeld in die Hand. Alles war wirklich vom Feinsten! Das geräumige, freundliche Zimmer mit dem phantastischen Panoramablick ins Defereggental und das sagenhaft gute Essen! Am nächsten Morgen zeigte uns der sehr freundliche Schwiegersohn der Besitzer das zu befischende Gewässer. Leider, so meinte er bedauernd, führe der Schwarzbach im Moment recht viel Wasser. Das käme daher, dass die hohen Temperaturen tagsüber und die heftigen Gewitterregen an den Abenden der letzten Tage ebenfalls zum Ansteigen der Fluten geführt hätten. Also, an ein Fischen war momentan wohl nicht zu denken, zumal der Wetterbericht für die Woche hohe Temperaturen und abendliche Gewitter versprach! 
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Als Christina, die Tochter des Hauses und ebenfalls begeisterte Fliegenfischerin, am Abend mein trauriges Gesicht sah, meinte sie, da gäbe es doch noch eine Möglichkeit zum Fischen. Oben auf dem Staller Sattel fließe ein kleines Gebirgsbächlein, das, wenn auch nicht gerade große, so doch wilde Bachforellen beherberge.
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Mit allerhand Ratschlägen versehen pirschte ich am nächsten Morgen an besagtem Bächlein entlang. Die Fischerei bedeutete eine große Umstellung für mich, der ich größere und ruhiger dahinfließende Gewässer gewohnt bin. Es galt, besagte Fliege, die mir die nette Dame überlassen hatte, punktgenau hinter Steine und in Strömungstaschen zu plazieren. Und es klappte! Die Bachforellen stürzten sich geradezu auf die Fliege. Vom widerhakenlosen Köder befreit, setzte ich sie in ihr Element zurück. p6300081
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Eine wunderschöne und sehr abwechslungsreiche Fischerei, die natürlich nur wegen besagter Fliege so erfolgreich war! Ich bewahrte dieses Muster gut auf und daheim band ich diese Fliege nach. 
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Auch die Eifeler Forellen mögen sie. Wenn ich sie ans Vorfach binde, dann denke ich stets an die nette Osttiroler Gastwirtstochter. Selbstverständlich erhielt dieses Muster auch ihren Namen - Christina!