SCHOTTISCHER HUMOR ODER DOCH NUR HÖFLICHKEIT?




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Der Riverv Snizord windet sich durch das Farmland 

Zu dem Cottage, das unsere Familie im September letzten Jahres auf der Hebrideninsel Skye gemietet hatte, gehörten auch zwei Ruten für den nahebei fließenden River Snizort. Auf der Fahrt vom Fährhafen Rothyt durch die Highlands hatten wir schon gesehen, dass Flüsse und Bäche extrem wenig Wasser führten. Derek, der Keeper des Flusses, erklärte uns nun nach unserer Ankunft, dass momentan die Lachsfischerei extrem schlecht sei. Schottland habe den trockensten Frühling und den trockensten Sommer seit langem gehabt und der Snizort, ein Spate - River, führe entsprechend wenig Wasser. Aber wir hätten ja noch einen langen Aufenthalt vor uns, unsere Chance käme bestimmt.  

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Jeden Tag verfolgten wir in Dereks uriger Hütte am Fluss das Wetterradar, es regnete zwar gelegentlich, unser Guide war aber nicht zufrieden. „We need much more rain!“ Schließlich hielten wir es aber doch nicht aus und ließen uns für den nächsten Tag ein Beat zuteilen, um dort zu fischen. Auf der Karte erklärte Derek uns auch, wo genau und von wann bis wann wir dort fischen könnten. Am darauf folgenden Morgen kamen wir aber nicht so recht in die Gänge und so waren wir statt um 10:00 Uhr erst um 10:30 Uhr am Wasser. Vor uns der Fluss, aber wo war unser Beat? Wir kletterten über Zäune, versanken bald im Sumpf, querten den Fluss, immer auf der Suche nach unserer Stelle. Plötzlich zeigte Johannes auf einen in der Ferne wild winkenden Menschen. Es war Derek , der uns schließlich sicher zu sich hin lotste. Er wollte uns persönlich den Fluss zeigen und noch einmal vor Ort einiges besprechen. Hatten wir am Vortag etwas nicht mitbekommen? Aber weder Johannes noch mir war in Erinnerung, dass wir mit dem Guide verabredet waren. Dennoch entschuldigten wir uns höflich, soweit das in unserem holprigen Englisch möglich war, für die vermeintliche Verspätung.
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Derek lächelte. Dann sagte er :“ It doesn`t matter, the weather is nice, I like it to be here standing near the river and looking around!“ Er muss schon lange dieser Freude teilhaftig gewesen sein, denn es war bereits 11:00 Uhr. Regen und kräftiger Wind wüteten. Einen Lachs haben wir an diesem Tag auch nicht gefangen.